Rohwasserkonzeption

Entstehung

Bereits im Frühjahr 2004 wurde im Rahmen der technischen Betriebsleitung für den Zweckverband Hohenloher Wasserversorgungsgruppe durch die NOW ersichtlich, dass die vorhandenen Brunnen und Quellen des Zweckverbands aus Kapazitäts- und Qualitätsgründen nicht in dem Umfang genutzt werden konnten, wie vom Wasserdargebot her möglich gewesen wäre. Auch in den umliegenden Städten, Gemeinden und Zweckverbänden war die Schüttung der Brunnen größer als die genutzten Entnahmemengen, da die Eigenwasservorkommen nicht miteinander vernetzt waren und somit nicht benötigtes Wasser auch nicht in anderen Versorgungszonen genutzt werden konnte.

Handlungsbedarf war zudem auch durch die Trinkwasserverordnung aus dem Jahr 2003 gegeben. Die mikrobiologische Rohwasserqualität hätte für die örtlichen Ressourcen eine weitergehende Wasseraufbereitung und damit nahezu an jeder Quelle ein kleines Wasserwerk erfordert.

Der Investitions- und vor allen Dingen der betriebliche Aufwand für diese dezentralen Wasserwerke wäre für die Versorgungsunternehmen sehr teuer geworden, zumal die Verbraucher seit Jahren weicheres Wasser und damit weitere Investitionen von den Versorgungsunternehmen gefordert hatten.

Partner

So entstand im August 2004 die Idee, anstelle der dezentralen Wasserwerke, am Standort Weikersheim-Bronn ein zentrales Wasserwerk zur Beseitigung der mikrobiologischen Probleme im Rohwasser und zur Reduzierung der Wasserhärte zu erstellen. Neben der NOW beteiligten sich die Städte Creglingen, Niederstetten, Schrozberg und Weikersheim, die Gemeinden Mulfingen und Igersheim sowie die Zweckverbände Hohenloher , Haagener (mittlerweile aufgelöst) und Nassau Wasserversorgungsgruppe.

Ohne die hohe finanzielle Förderung des Landes Baden-Württemberg wäre die Realisierung dieses Pilotprojektes "Rohwasserkonzeption" jedoch nicht möglich gewesen.


Erster Spatenstich im Juli 2006 am Standort für das Wasserwerk Bronn mit der damaligen Umwelt­ministerin des Landes Baden-Württemberg Tanja Gönner.

Realisierung

Im August 2006 war Baubeginn für das Wasserwerk Bronn. Das zentrale Herzstück der Rohwasserkonzeption konnte bereits im Juni 2008 in Betrieb genommen werden.

Insgesamt wurden in den Jahren 2006 - 2010 fast 100 km neue Leitungen verlegt. Durch die neuen Rohwasserleitungen strömt das Rohwasser aus den dezentralen Eigenwasservorkommen der beteiligten 6 Kommunen und 3 Zweckverbände dem Wasserwerk zu und wird nach Messung der Menge und Qualität in die beiden Rohwasserbehälter geleitet.

Nach der Aufbereitung im Wasserwerk wird das gefilterte und enthärtete Trinkwasser aus den beiden Reinwasserbehältern über Fallleitungen und Förderpumpen wieder zurück an die Gemeinden, Städte und Zweckverbände verteilt.

 

Wasserwerk Bronn

Das zweckorientierte Bauwerk besteht im Wesentlichen aus der Filterhalle, dem Rohrkeller und verschiedenen Betriebs- und Technikräumen. Nördlich und südlich der Filterhalle sind insgesamt sieben rechteckige Stahlbetonbehälter zur Wasserspeicherung angeordnet. Die Kammern fassen insgesamt 3.000 m³ Reinwasser, 1.200 m³ Rohwasser und 460 m³ Prozess- und Abwasser. Im Wasserwerk Bronn sind insgesamt rund 2.500 m an Rohrleitungen bis 600 mm Durchmesser installiert. Nähere Informationen zur Wasseraufbereitung finden Sie hier.


Wasserwerk Bronn

Kosten und Förderung

Die Baukosten (netto) für das Projekt betrugen für:

  • das Wasserwerk einschließlich Transport­leitung, DN 400,
    zum Hochbehälter Hollenbacher Höhe
    (Die Kosten wurden zu 100% von der NOW übernommen)

12,0 Mio. €

 
  • die Leitungsabschnitte
    davon Fördermittel des Landes Baden-Württemberg
14,0 Mio. €
10,5 Mio. €
 

Good Practice Energieeffizienz

Unter dem Titel "Energieeffiziente Wasserversorgung im südlichen Main-Tauber-Kreis" wurde die Rohwasserkonzeption der NOW im September 2012 mit dem Label Good Practice Energieeffizienz der Deutschen Energie-Agentur (dena) in der Kategorie "Objektbezogene Projekte" ausgezeichnet. Diese Auszeichnung vergibt die dena für Aktivitäten und Projekte, die zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Reduzierung des Endenergieverbrauchs beitragen.

Die energetische Analyse der Rohwasserkonzeption hat ergeben, dass jährlich fast 800.000 kWh eingespart werden. Bei einer Steigerung der Bereitstellungsmenge von 3,4 Mio. m³/a auf 3,6 Mio. m³/a wurde die für die Bereitstellung aufgewendete Gesamtenergie von ca. 5,5 Mio. kWh/a auf 4,7 Mio. kWh/a reduziert. Mit dem ausgezeichneten Energieeffizienzprojekt trägt die NOW zur Ressourcenschonung und zum Klimaschutz bei.

Windkraftanlage

Im Dezember 2015 wurde die Windkraftanlage auf dem Gelände des Wasserwerks Bronn in Betrieb genommen, Mit einer Nabenhöhe von 73 Meter und einer Flügellänge von ca. 26 Metern wird die Anlage jährlich rund 1.400 Megawattstunden an zusätzlicher Energie produzieren, die vor allem im Wasserwerk Bronn eingesetzt wird.


Windkraftanlage beim Wasserwerk Bronn

Der Einsatz der Windkraftanlage bei einem Wasserwerk ist ideal, da Grundstück, Zufahrt, kurze Anschlusskabel zum Wasserwerk sowie die erforderliche Infrastruktur bereits vorhanden sind. Da die Wasserkammern des Wasserwerks sowie die höhergelegenen, großvolumigen NOW-Wasserbehälter außerdem über ausreichend Pufferkapazitäten verfügen, können in windreichen Zeiten die Hochbehälter befüllt und in windschwachen Zeiten abgewirtschaftet werden. Insofern stellt die Kombination der Windenergienutzung mit der Wasserversorgung ein interessantes Novum bei der Speicherung von überschüssiger Windenergie dar.